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Kurioses und Interessantes
rund ums Hausboot-Fahren

 

 
70 Meter in einer Badewanne senkrecht bergab
Hausboote - Schiffshebewerk in Belgien
Das imposanteste Schiffshebewerk Europas befindet sich nahe Charleroy (unweit der französischen Grenze) am belgischen Canal du Centre. Mit dem Boot fährt man in eine überdimensionale Badewanne, in der man wie in einem Aufzug 70 Meter senkrecht „abgeseilt“ wird. Beachten Sie den Größenvergleich: Das Boot rechts unten ist 30 m lang.
 
Per Elektro-Schlepper durch den Tunnel

Hausboote - Schleppschiff am St.-Quentin

Hausboote - Schleppschiff am St.-Quentin

Frankreichs ältestes elektrisches Schleppschiff tut am Canal du St.-Quentin (er verbindet, grob gesprochen, die Champagne mit Frankreichs Norden) seinen Dienst. Und zwar im gleichnamigen Tunnel, der eine Länge von 5,6 km aufweist. Andere Tunnel haben, im Gegensatz zum Tunnel von St.-Quentin, eine ausreichende Belüftung. Da diese hier fehlt, wird man wohl auch noch weiterhin 2 Stunden lang von dem ratternden Ungetüm durch den Tunnel gezogen werden.
Das Rattern kommt von der Antriebsart: Der Strom wird (ähnlich wie bei der Eisenbahn) von Drähten an der Decke des Tunnels abgenommen, um damit einen Elektromotor zu betreiben. Dieser dreht ein großes Rad. Eine armdicke Kette, die im Tunnel am Boden liegt, ist um dieses Rad gewickelt, und dadurch zieht sich der Schlepper der Kette entlang, die er vorne „einsaugt“ und hinten wieder auf den Boden gleiten lässt.
Früher, vor der Errichtung des Canal du Nord, waren hier zahllose Transportschiffe unterwegs. Der Schlepper hat ausreichend Kraft, um 30 von ihnen zu ziehen – und somit rund 10.000 Tonnen, die einen Zug in der Länge von 1,5 km ergaben.

 
Tunnel mit Gegenverkehr
und eine ungewöhnliche Brücke

Hausboote - Klappbruecke, Aquaedukt, Tunnel, Schleuse

Hausboote - Drehbrücke am Marne a la Saone

Frankreichs einzigen Bootstunnel, der in beiden Richtungen gleichzeitig befahren werden kann, findet man am Marne-Saône-Kanal (neuer Name: Canal entre Champagne et Bourgogne) bei Condes (PK 106): er ist (bei einer Länge von 308 m) stolze 18 m breit und kann daher ungehindert auch bei Gegenverkehr benutzt werden. Wobei sich hier überhaupt eine nette Ansammlung an navigatorischen Besonderheiten auf knapp 500 Metern zusammenballt: Aquädukt, Klappbrücke, Tunnel und danach sofort eine Schleuse.
Der Kanal kann aber auch mit der wahrscheinlich ungewöhnlichsten Drehbrücke Frankreichs aufwarten: Sie befindet sich in Jorquenay (nördlich von Langres). Ihren Drehpunkt hat sie in der Mitte des Kanals; der Schleusenwärter dreht die Brücke per Kurbel um 90 Grad, bis sie parallel zum Kanal liegt. Man fährt dann rechts oder links vorbei.

 
Der älteste Kanal der Welt
Ausgerechnet in China, einer für uns per Hausboot nicht zugänglichen Region, befindet sich der älteste Kanal der Welt, der noch in Betrieb ist und gleichzeitig auch einer der längsten ist. Der „Große Kanal Bejing-Hangzhou“, auch Hong-Gou-Kanal genannt. Er erstreckt sich von Bejing im Norden Chinas Richtung Süden bis zur Stadt Hanzhou. Er wurde im 6. Jh. VOR (!) Christus gegraben und verfügte über eine Gesamtlänge von 1.801 km. Im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende immer tiefer ausgegraben, entwickelte er sich zu einem wichtigen Handelsweg für den Getreidetransport in die Hauptstadt. Der Kanal verband den Gelben Fluss mit dem Fluss Huaihe. Der südliche Teil wird noch immer benutzt.
Damit ist dieser chinesische Kanal bedeutend älter als der von den Römern in den englischen Midlands gegrabene Fossdyk, der auch heute noch die Flüsse Witham und Trent verbindet (bei Lincoln, im östlichen Teil der Midlands).
 
Das atemberaubendste Aquädukt

Hausboote - Midlands, Aquädukt

Die englischen Midlands haben es in sich, was Besonderheiten betrifft. Das atemberaubendste Aquädukt beispielsweise. Es befindet sich am Llangollen Canal im gebirgigen Wales, heißt Poncycyllte Aqueduct und führt in 37 Metern Höhe 307 Meter über ein Tal. Was daran ungewöhnlich ist? Die Konstruktion! Auf einer Seite ist ein schmaler Gehsteig mit Geländer angebracht, auf der anderen Seite trennt nur eine dünne Stahlwand den Bootsfahrer von der Tiefe. Der Trog hat eine Breite von 2,20 Metern, und wenn man am Steuer eines Bootes steht, hat man auf einer Seite nur den Abgrund vor Augen.
Mehr Infos über die „kuriosen“ Midlands finden Sie in dem Buch "Mit dem Hausboot durch England" (zur Bücher-Seite springen).
 
Gleich 40 Tunnel in einer einzigen Region

Hausboote in England - Harecastle-Tunnel

Die Midlands (England) verfügen gleich über mehr als 40 Tunnels. Der längste ist der Blisworth Tunnel (2.794 m) am Grand Union Canal, der allerdings oft geschlossen ist. Unter den populären ist der Harecastle Tunnel am Trent & Mersey Canal mit 2.669 m der längste. Die Durchfahrt benötigt knapp eine Stunde.
Zum Vergleich: der Tunnel von St.-Quentin in Nord-Frankreich ist 5.670 m lang, der bei Langres am Marne-Saône-Kanal immerhin auch 4.820 m.

Foto: Einfahrt in den Harecastle-Tunnel

 
Die „untergegangene“ Rundschleuse
Wo der Canal de St.-Quentin (genauer gesagt: die Schelde, französisch Escaut genannt) in den Grand Gabarit mündet (Region Nord – Pas de Calais), ein paar Kilometer nördlich von Cambrai, dort findet man eine Idyllische Situation mit der Bezeichnung „Bassin rond“. Heute sind dies ein paar Häuser (zwei von ihnen hängen bereits merkwürdig schief im weichen, torfigen Untergrund), eine attraktive und ruhige Situation zum Anlegen sowie eine Gabelung von Wasserstraßen mit altem und neuem Arm. Ursprünglich befand sich hier eine kreisrunde Schleuse, die den Weg in drei Richtungen (Valenciennes, Dunkerque und Cambrai) frei gab, daher auch die Bezeichnung „Bassin rond“.
Durch den Ausbau der Schelde (Escaut) zu einer Großschifffahrtsstraße wurde der Wasserstand erhöht und die unnutz gewordene Schleuse abgetragen. Früher warteten hier bis zu 300 Pénichen (Lastkähne mit 38,5 m Länge und eine Kapazität von rund 350 t) oft tagelang auf das Durchschleusen. Klar, dass sich im Dorf eine blühende Wirtschaft entwickelte: Es gab hier gezählte 35 Geschäfte und Bars. Heute ist leider nichts mehr davon übrig. Dafür wartet auf den Bootsfahrer eine idyllische Durchfahrt samt sehenswerten Anlegeplätzen.
 
Die Hebebrücke ohne Hub
Die Hebebrücke mit dem geringsten Hub befindet sich bei Schleuse 21 am Canal de Briare: ganze 20 Zentimeter geht sie in die Höhe. Der Schleusenwärter sagt selbst, dass dies ein Witz sei „. . . aber früher ist sie für Lastkähne manchmal sogar hochgehoben worden!“
Eine wunderschöne „Privatbrücke“ findet man hingegen am Canal du Loing, und zwar zwischen Schleuse 32 und 33: In einer idyllischen Fahrsituation überspannt die „passerelle“ den Kanal, um ein Wohnhaus mit dem Mühlhaus zu verbinden.
 
Zweigkanal nach Belfort und eine Handvoll Schleusen „am Trockenen“

13 km lang ist der heute noch existierende Rest des Zweigkanals nach Belfort, den man vom Canal du Rhône au Rhin 9 Schleusen hinauf klettern kann. Der Kanal hätte ursprünglich bis Port-sur-Saône führen sollen, wurde allerdings nur bis 15 km nördlich von Belfort gebaut. Dieser nie vollendete Teilabschnitt oberhalb von Belfort wurde jedoch wieder zugeschüttet, die Dämme des Kanals wurden eingeebnet und man findet heute nur noch einsam in der Landschaft herum stehende Schleusen.

 

 

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