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Vorausgeschickt muss werden,
dass dies zu 99,9% unsere letzte Hausboottour sein wird. Ab einem
bestimmten Alter ist es nicht mehr ganz leicht vom Boot an Land
zu springen, daher haben wir eine ruhigere Tour ausgesucht, die
wir in den Anfängen (Hesse bis Arzviller) bereits einmal gefahren
sind und uns für die Crew leicht erschien. Das hat auch gestimmt.
Auch wollten wir diesmal nur eine Woche am Boot verbringen, dafür
aber die Hin- und Rückfahrt entsprechend ausdehnen und genießen.
Etwas Neues sollte auch das GPS bringen, das Norbert zu seinem 80ziger
bekommen hat. Und das hat uns einiges Interessantes geboten.
Freitag
2. Juni 2006:
Abfahrt in Wien bei 14°C und stark
bewölktem Himmel. Wir haben aus dem Internet in Landsberg am
Lech das Hotel Mercure ausgesucht und im GPS programmiert. In den
Mercurehotels zahlen zwei Personen über 55 Jahre nur den Preis
für eine Person. Los gings. Frühstück wie immer
in Grossrahm. Das GPS führt uns auch wieder auf die Autobahn.
Kunststück! Hätten wir aber auch allein zusammengebracht.
Wir fahren etwas in München herum ohne zu überlegen wie
wir wieder weiter müssen. Aber unser GPS führt uns nach
einigen Sekunden überlegen wieder in Richtung unseres Tagesziels.
Und so landen wir laut den charmanten Hinweisen unserer Lotsin vor
der Haustür des Hotel Mercure in Landsberg am Lech um 1445
Uhr. Nettes Zimmer bekommen. Dann gehts in die Stadt. Am Hauptplatz
finden wir das Gasthaus zum Mohren. Wir bestellen eine
Portion Stelze. Auf der Speisekarte steht: Reicht für
zwei. Das stimmt auch! Eine Stelze, zwei riesige Knödel
und Krautsalat, Fast so gut wie im Schweizerhaus in Wien, und noch
dazu für Deutschland sehr billig.
Samstag
3. Juni 2006:
Gut geschlafen.
Abfahrt um 0930 bei Sonne. Wir kaufen noch rasch in einem Supermarkt
ein. Bootsübernahme am Pfingstmontag. Wer weiß, ob wir
da irgendein Geschäft geöffnet finden. Nächste Station
soll Bühl in Baden-Württemberg sein. Räpples Landgasthof
Engel, Mühlstetterstrasse 42 (auch aus dem Internet). Schnellste
Route führt über Stuttgart. Wir fahren in die Stadt und
gehen dort etwas spazieren. Unsere Freundin (GPS) führt uns
auch wieder schön auf unsere richtige Strecke. Nur den Stau
(35 Minuten) hat sie uns nicht abgenommen. In Bühl kommen wir
um 1420 Uhr an (ohne unsere Freundin hätten wir nicht so leicht
bis zum Hotel gefunden). Sehr freundliches Haus mit einer Speisekarte
mit 100 verschiedenen Speisen. Wir fahren noch etwas in die Berge
und haben von dort einen herrlichen Ausblick auf die Rheinebene.
Unsere Freundin führt uns wieder zum Hotel. (Sie haben
ihr Ziel erreicht). Gutes Abendessen.
Sonntag
4. Juni 2006:
Herrlich und ruhig geschlafen. Starker Regen in der Nacht. Abfahrt
0900 Uhr. Trüb, 13°C. Wie wird unsere Bootstour bei dem
Wetter? Diesmal geben wir nicht die schnellste sondern die kürzeste
Route ohne Mautstrassen nach Hesse ein. Wir wollen schon am Vortag
dort sein und guten Tag sagen. Das war noch immer erfolgreich, so
dass wir das Boot schon am frühen Nachmittag bekommen haben.
Zweimal sogar schon am Tag vorher. Wir haben ja Zeit und sind nicht
auf der Flucht. Unsere Freundin führt uns durch idyllische
Ortschaften und kleine Strassen durch die Gegend. Plötzlich
stehen wir am Rhein vor der Fähre. Drusenheim-Greffern und
die ist tatsächlich kostenlos. Weiter geht es durch liebe kleine
Ortschaften bis nach Hesse. Die Basis ist am Sonntag geschlossen.
Wir haben uns einige Hotels in Sarrebourg herausgesucht. Unser GPS
führt uns auch immer bis zum entsprechenden Hotel. Aber etliche
sehen aus, wie wenn sie nur für Stunden benutzbar wären.
Also auf nach Lutzelburg. Das Hotel des Voges kennen wir schon von
unserer Fahrt im Jahre 2002. Ankunft 1245 Uhr. Es wird warm, Sonne
und 20°C. Zimmer (sehr antik, französisches Bett mit einer
(!!!!) Decke) bezogen. Wir besuchen den Flohmarkt in Lutzelbourg
und machen noch einen kleinen Ausflug nach Arzviller. Da sehen wir
uns gleich die Schleuse mitten in der Stadt an. Abendessen in Lutzelbourg
gut aber nicht besonders billig.
Montag
5. Juni 2006:
Bewölkt, Nieseln, 12°C. Abfahrt 0910 Uhr. Ankunft Basis
0945 Uhr. Regen!!!!!!! Das Boot bekommen wir um 1400 Uhr. Ausflug
nach Saverne. Dort hat ein Supermarkt offen, daneben eine Billigtankstelle
(billiger als in Österreich). Wir fahren weiter nach Phalsbourgh.
Dort finden wir am Hauptplatz ein sehr schönes Restaurant.
Essen hervorragend aber mit € 50.- (Getränk war Mineralwasser)
doch etwas teuer. Die Sonne kommt heraus. Ankunft bei der Basis
1330 Uhr. Boot einräumen und Übernahme. Das Boot ist hervorragend
ausgestattet. Geschirr in jeder Menge, Handtücher, Reibtücher,
es ist wirklich alles vorhanden. Kein Vergleich zu den präpotenten
Italienern (Aussage in der Basis von Chioggia wenn wir z.B. Untertassen
oder Gasanzünder reklamierten: nicht vorhanden, aber
sie können es ja kaufen). Die Basiscrew ist freundlich
und hilfsbereit. Einweisung nicht erforderlich (bisher 17 Wochen
mit Hausbooten unterwegs und Sheba bereits gefahren). Abfahrt 1545
Uhr. Durch den größeren Arzviller Tunnel fahren wir mit
flottem Tempo 25 Minuten. Beim Schiffshebewerk kommen wir mit zwei
anderen Booten um 1815 Uhr noch gerade hinunter. Die sperren am
Pfingstmontag um 1800 Uhr. Wir legen unten um 1830 Uhr gleich an.
Es beginnt zu regnen. Kleines kaltes Abendessen und zeitig ins Bett.
* Dienstag 6.Juni 2006: Sehr ruhige Nacht. Morgens 7°C. Heizung
funktioniert hervorragend. Ausgiebiges Frühstück mit Tee,
frisch aufgebähten Brötchen, Schinken, weiches Ei, Marmelade,
Orangen Juice. Abfahrt 0900 Uhr. Blauer Himmel, einige Schönwetterwolken.
Tages Höchsttemperatur 17°C. 1200 Uhr kurze Mittagspause.
Bis Saverne schlängelt sich der Kanal neben einer Strasse und
einer Eisenbahn durch ein enges, wunderschönes, bewaldetes
Tal mit etlichen Felsen.
Dies ist, wie wir später feststellen
konnten, der landschaftlich schönste Teil der ganzen Tour.
Dann geht´s in die Ebene. Felder links und rechts. Um 1730
Anlegeplatz bei km 277 erreicht. Wir verbringen die Zeit bis zum
Schlafengehen in der Abendsonne am Deck.
Mittwoch
7. Juni 2006:
Kalte, ruhige Nacht. 6°C. Strahlend blauer Himmel, Sonne, völlige
Windstille. Hoffentlich hält das Wetter durch! 0800 Abfahrt.
Es wird im Laufe des Tages immer wärmer. Unsere Kleidung wird
immer sommerlicher. Einfahrt nach Straßburg. Vorbei an den
vielen Neubauten des Europaparlamentes. Weiter durch den Frachthafen
bis zum Bassin l`Hospital. Dort ist nach der ersten Aufwärtsschleuse
an der Backbordseite ein sehr gepflegter Privathafen eines Vereins,
der aber einige Besucherplätze frei hat. Besucher werden gerne
aufgenommen. Liegegebühr gibt es keine, auch Wasser und Toiletten,
wie Duschen können gratis in Anspruch genommen werden. Gegen
eine Spende besteht jedoch kein Einwand. Wir geben € 10.- und
dürften damit im guten Trend liegen. Der Liegeplatz ist umzäunt
und man bekommt einen Code mit dem man das Tor öffnen kann.
Von dieser Marina sind es nur 500 m zum Straßburger Dom und
damit mitten in die Altstadt und zum Maison Kammerzell. Wir gehen
ins Zentrum und bummeln durch die Stadt. Es ist sehr heiß.
Nach Hause und duschen. Gemütlicher Abend.
Donnerstag
8. Juni 2006:
Ruhige Nacht. 0700 Uhr, 16°C, blauer Himmel. Wir haben seit
Jahren ein Außen-Thermometer mit, daher die Temperaturangaben.
Wir gehen in die Stadt. Rundfahrt mit der Minibahn. Einkäufe
(Man darf in Straßburg die Gänseleberpastete nicht versäumen)
Einen Kranz Extrawurst, Baguetten und Tortenstücke. Zurück
zum Boot. Wasser gebunkert. Abfahrt 1315. Wir fahren beim Europaparlament
ein Stück die ILL hinauf.
Dies ist zwar nach den Navigationskarten
verboten, es gibt aber kein internationales Wasserverkehrszeichen,
welches das Befahren verbietet. Nach kurzer Zeit wissen wir auch
warum man dies für Hausbootfahrer, die möglicherweise
wenig Erfahrung mitbringen, verboten ist. Die ILL ist an dieser
Stelle nämlich relativ schmal und hat eine ziemliche Strömung
(Ungefähr 7km/h). Also kehrt und weiter in Richtung Hesse.
Mit dem GPS haben wir übrigens die Geschwindigkeit des Bootes
gemessen. Mit voller Pulle satte 11 km/h. Lustig ist es nur, wenn
uns unsere Freundin dann am Boot ansagt: In 300 m Kreisverkehr,
biegen sie links ab, dritte Ausfahrt.. Sie hat halt nicht
begriffen, dass wir nicht auf der Strasse weiterfahren können.
Weiter geht´s bis km 297, dort ist ein gutes Anlegen möglich.
1700 Uhr. Nach wie vor blauer Himmel und sehr warm. In Straßburg
haben wir ja einen herrlichen Kranz Extrawurst gekauft. Die Verkäuferin
hat sich noch gewundert warum wir ein ganzes Kranzl haben wollten.
War für Wurstfleckerl am Abend gedacht. Norbert hat sich als
Überbrückungshilfe gleich ein größeres Stück
herunter geschnitten. War aber keine Extrawurst, sondern Mettwurst.
Wir haben sie abgebraten. Da kam aber viel Fett raus. Mit Nudeln
war´s aber gar nicht so übel. Cayenne-Pfeffer hat einiges
dazu beigetragen. Aber davon haben wir jetzt eine Weile genug. Hinterher
die köstlichen Tortenstücke. Die Hitze und die viele Sonne
machen uns müde. Es geht zeitig ins Bett.
Freitag
9. Juni 2006:
Sehr ruhige Nacht. Wunderbar geschlafen. 0730 strahlende Sonne.
Keine Wolke am Himmel. Es war wirklich ein hervorragender Liegeplatz.
0930 Abfahrt. Wer hätte das gedacht, dass wir nach dem schlechten
Wetter in den vergangenen Wochen mit so raumhaften Tagen verwöhnt
werden. Wir bummeln dahin. Bei km 285 machen wir 1 ½ Stunden
Pause. Mittagsschläfchen. Es ist sehr heiß. An Saverne
1600 Uhr, 28°C. Schönen Liegeplatz in der Marina gefunden.
Stromanschluss zum Handy aufladen und Wasserbunkern. Vorher haben
wir noch kräftig geduscht. Um 1930 noch immer 23,4°C.
Samstag
10. Juni 2006:
0700 bereits 17°C. Sonne, keine Wolke am Himmel. Abfahrt 0900.
Wir bummeln dahin. Einige Schleusen geben mit der Automatik nicht
frei. Wir sind aber draufgekommen, wie man die Automatik überlisten
kann, wenn das obere Schleusentor nicht zugeht. Beim oberen Tor
ist eine Lichtschranke. Die muss man 20 Sekunden zuhalten. Nun glaubt
die Automatik, dass ein Boot endlich bergseitig in die Schleuse
eingefahren ist. Nun die blaue Stange in der Mitte der Schleuse
(damit wird im Normalfall die Automatik in Betrieb genommen) anheben.
Oberes Tor wird geschlossen der Wasserspiegel abgesenkt und das
untere Tor geöffnet. Nun kann man einfahren. Aber nun geht
das untere Tor nicht zu. Die Automatik glaubt, dass nur das in der
Schleuse befindliche Boot ausgefahren ist. Daher zur unteren Lichtschranke,
Hand vorhalten. Jetzt ist die Automatik zufrieden und es geht regulär
weiter. Wenn man diese Systematik erkannt hat, braucht man keine
telefonische Hilfe mehr in Anspruch nehmen. Es ist zwar bei jeder
Schleuse ein Telefon und ein Helfer kommt in ein paar Minuten.
Aber selber geht es doch schneller.
Ankunft Lutzelbourg 1345. Wir legen oberhalb der Schleuse an und
machen einen kurzen Einkaufsbummel. Als wir zurückkommen hat
ein Boot mit 8 jungen Leuten vor uns festgemacht, und einen Fernseher
am Ufer mit Stromkabel vom Boot und quer gespannter Fernsehantenne
aufgebaut. Fußballweltmeisterschaft. Lautstärke Trommelfell
zerreisend. Eine Kiste Bier. Das kann ja eine herrliche Nacht werden.
Aber siehe da. Nach zwei Stunden fahren sie weg. Es wird ein ruhiger
Abend.
Sonntag
11. Juni 2006:
Kühle Nacht. Um 0730 Uhr hat es 11°C. Abfahrt 0910. Das
Tal bis zum Schiffshebewerk ist sehr lieblich. Wir
fahren mit 4 lustigen Bayern durch die paar Schleusen. Dabei wird
viel geplaudert und geblödelt. Die Fahrt durch die beiden Tunnels
bringt angenehme Abkühlung, aber der Lichtunterschied nach
der grellen Sonne ist doch sehr stark. Eintreffen in Hesse 1330.
32°C. Unser Auto steht unversehrt da. Wir fangen langsam an
einzupacken. Allmählich tauchen auch die anderen Boote auf.
Da mit dem Heck angelegt werden muss, gelingt das nicht immer ganz
einfach. Neben uns versucht es einer einige Male. Nur lautes Schreien
verhindert, dass er uns mehrmals fast rammt. Dabei hat er ein Boot
mit Bugschraube. Aber unser Ärger verraucht ziemlich schnell
als wir erfahren, dass ihm irgendwo Geldbörse mit Geld, Kreditkarten
und Fahrzeugpapieren abhanden gekommen sind.
Montag
12. Juni 2006:
Auch die letzte Nacht am Boot war herrlich kühl. Bootrückgabe
total unkompliziert. Das Personal der Basis ist wirklich prima.
Abfahrt 0900. Zurück fahren wir über Friedrichshafen und
Lindau nach Bregenz. Dann die Bregenzerwaldstrasse. Wunderschön
zu fahren. Auf den Berggipfeln noch Schnee. Wir suchen ein Quartier
in etlichen Hotels: Haben Sie ein Zimmer für uns?
Selbstverständlich! Für wie lange?
Eine Nacht! Leider! Für eine
Nacht haben wir keines! Die werden es auch noch einmal billiger
geben. In der Pension Niederblick in Hof/Andersbuch bekommen wir
ein schönes Zimmer mit fantastischem Blick in die Berge. Abendessen
in einem sehr guten Restaurant.
Dienstag
13. Juni 2006:
Abfahrt nach einem guten Frühstück um 0900 Uhr. Lech,
Zürs, St. Christof, St. Anton. Wie hier alles anders aussieht.
Wir kennen das alles nur im Winter. Es wird irrsinnig viel gebaut.
Die Orte sind aber wie ausgestorben. Nach Innsbruck. Wir fahren
kreuz und quer durch die Stadt und suchen ein Eisgeschäft,
finden aber keines. Unsere Freundin (GPS) führt uns wieder
elegant auf die Autobahn. Vor Kufstein Mittagspause in einer Raststätte.
Weiter gehts. Kein Stau. Eigentlich wollten wir im Raum Salzburg
nochmals übernachten, aber es läuft so herrlich. Wir rollen
weiter. Abendessen in Großrahm. Ankunft in Wien 1900 Uhr.
Zusammenfassend:
Das Wetter hat es ganz besonders gut
mit uns gemeint. Die Basiscrew in Hesse unkompliziert, hilfsbereit
und freundlich. Das Boot, die Sheba, innen sauber mit überkompletter
Ausstattung. Außen sehr überholungsbedürftig. Offensichtlich
hat eine vorherige Crew die Leinen über die Reling festmachen
wollen und die Reling dabei arg verbogen. Auch Schrammen auf allen
Seiten. Technisch aber alles in Ordnung. Die Gegend bis Saverne
sehr reizvoll. Die Marina in Straßburg wunderbar, weil man
in ein paar Minuten im Zentrum ist. Hesse Straßburg
und retour eine angenehme Wochentour.
DI
Norbert Toffl, Wien

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