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Canal du Midi und Camarque
Einwegtour
Narbonne Beaucaire
11 Tage im Mai
Am
Sonntag, dem 6. 5.,
trafen wir wie vereinbart unsere Freunde um 7.00 Uhr an der Hausboot-Basis
in Narbonne. Wir vertrödelten den Vormittag in Narbonne, kauften
Proviant und waren um 14.00 Uhr wieder an der Basis. Nach einer
Einschulung durch Donald, den Basismanager, konnten wir um 16.00
Uhr mit unserem Hausboot losfahren. Nach 200 m kamen wir zur ersten
Schleuse, und es herrschte dementsprechende Aufregung.
Das Schleusenmanöver klappte jedoch ohne Probleme. Bei der
Querung des Flusses Aude übersah Otto allerdings fast die in
der Flusskarte eingezeichnete Sandbank, und nur der hohe Wasserstand
verhinderte ein Auflaufen mit dem Hausboot. Alle weiteren Schleusen
bis Sallèles d'Aude wurden gut passiert, und beide Crews
waren in Hochstimmung.
Am Montag,
dem 7. 5.,
war der Himmel vormittags bedeckt, und wir hatten viele Schleusen
vor uns. Manche Schleusen waren sogar mit vier bis fünf Hausbooten
besetzt. Am Abend vertäuten wir die Hausboote bei Puchéric,
kauften vorerst Proviant und spazierten dann einen Kilometer in
den Ort. In einem typischen französischen Landwirtshaus empfahl
uns der Patron "Trippes de Provence" - eine Spezialität
der Gegend. Auf unsere Frage, ob das Essen gut sei, streichelte
er mit der Hand seinen Magen.
Es waren Kuttelfleck, wirklich gut und schmackhaft zubereitet. Der
Rotwein dazu tat ein übriges, um uns in Hochstimmung zu versetzen,
nur das beginnende Gewitter war für die Länge des Heimweges
beunruhigend.
Auf meine scherzhafte Frage nach einer Autobusverbindung zum Kanal
lachten die anwesenden Gäste. Der Wirt brachte uns dann tatsächlich
mit seinem Privatauto in zwei Gruppen bis zum Boot.
Am Dienstag,
dem 8. 5.,
fuhren wir mit dem Hausboot bis Trèbes, wo uns ein Taxi ins
Zentrum der Stadt Carcassonne brachte. Die Altstadt mit der alten
Stadtmauer ist wirklich überwältigend. Nachdem wir noch
einige Nachtfotos geschossen hatten, ließen wir uns mit dem
Taxi zu unserem Boot zurückbringen.
Mittwoch,
9. 5.
Weiter ging's bis Laredorte, wo wir Wasser tankten. Leider hatte
um 21.30 Uhr kein Restaurant mehr offen, und in einem kleinen Café
mussten wir uns mit Zwieback, Marmelade und Butter zufrieden geben.
Donnerstag,
10. 5.
Zum Mittagessen legten wir mit unserem Hausboot an der Schleuse
von Ognon an. Direkt daneben fanden wir ein vorzügliches Restaurant
mit bester Bedienung vor. Der Kellner gab Karo Nachhilfeunterricht
im Öffnen von Krebsen. Während wir mit netten Schweizern
ins Gespräch kamen, musste Karo selbstverständlich die
neu erworbenen Kenntnisse im Krebse-Öffnen gleich an ebenfalls
dort sitzende Deutsche weitergeben.
In Ventenac versuchte Otto von einer Telefonzelle aus nach Österreich
zu telefonieren, um den Nachkommenden mitzuteilen, wo sie uns am
Samstagmorgen finden würden. Eine unverständliche Tonbandstimme
erklärte: Durchwahl nach Autriche nicht möglich. So stürmte
Otto zum Postamt, das aber schon seit einer Viertelstunde geschlossen
hatte, daraufhin wieder zurück zur Telefonzelle, dann in einen
gegenüberliegenden Weinverkauf mit der Bitte um Hilfe. Die
Dame bemühte sich zwar, aber der Operator hob nicht ab. Also
fuhren wir mit dem Boot weiter bis Le Somail, eine nette kleine
Ortschaft, wo die Kirche direkt an die Brücke über den
Kanal gebaut ist. Bei der nächsten Telefonzelle versuchten
wir nochmal unser Glück und eine ferne Stimme aus Österreich:
"Otto, bist Du's?" brachte eine sichtliche Erleichterung.
Abends noch bis nach Capestang gefahren.
Am
Freitag, dem 11. 5.,
fuhren wir bis zu dem großen Tunnel beim Oppidum d'Enserune
(Ausgrabungen aus dem 5.-3. Jh. v. Chr.). Nach der Besichtigung
eines Museums erwischte uns auf dem Heimweg ein Regenguß,
und im Laufschritt gings zirka 1 km zu den Booten zurück, damit
die Videokameras nicht nass wurden. Heinz hatte glücklicherweise
beide Bootsverdecke vorher geschlossen, und nach Aufhören des
Niederschlags fuhren wir durch einen 160 m langen Tunnel, welcher
über einen Eisenbahntunnel führt, unter dem noch ein alter
römischer Abwassertunnel liegt. Eine beachtliche Bauleistung.
Wir kamen noch bis zur Schleusentreppe von Fonsérannes. Leider
hatten wir übersehen, dass in unserer Richtung um 15.00 Uhr
die letzte Schleusung war. Die Hektik brach aus - unsere Freunde
warteten bestimmt am Samstag Morgen im Hafen von Béziers
- 2 km entfernt. Béziers hat mit Fonsérannes insgesamt
drei Häfen! Wir stiefelten in die Stadt, am Heimweg um 22.00
Uhr durch den Sporthafen und über die 193 m lange Kanalbrücke,
die den Orb überquert - aber kein Auto mit Riki und Hans zu
sehen. Unruhige Nacht!
Am Samstag, dem 12. 5.,
fuhr Otto um 6.00 Uhr morgens mit dem Rad in den Hafen von Béziers,
sucht Riki und Hans - nichts; weiter zum Bahnhof mit den Hotels
- kein Auto mit den beiden zu sehen.
Zurück in Fonsérannes ging es mit dem Boot Richtung
Schleuse, denn um 8.00 Uhr begann die Schleusung. Plötzlich
tauchten Hans und Riki neben uns am Ufer auf. Im Hafen von Béziers
tankten wir Wasser, luden die Videobatterien auf und suchten für
Hans' Auto eine Garage. Alle glücklich und müde vereint,
fuhren wir weiter durch die Ouvrages du Libron (große Sperrtore
bei der Überquerung des Küstenflusses) bis Agde und schleusten
noch durch.
Otto legte gleich hinter der Schleuse an, das zweite Boot fuhr noch
ein Stück weiter. Wir gingen einkaufen, nachher Stadt besichtigen
und abends essen in ein Restaurant direkt am Hérault.
Am Sonntag, dem 13. 5.,
verweigerte der Motor um 9.00 Uhr den Start. Wir suchten eineinhalb
Stunden den Fehler, bauten den verschmutzten Luftfilter aus. Kein
Starten möglich. Endlich dachten wir an die Möglichkeit
- no Diesel. Getroffen! Nur ein Telefonat zur Basis von Narbonne
konnte uns helfen. Der Mechaniker brachte 20 l Diesel und ein Gewitter
mit. Holte weitere 20 l von der Tankstelle in Agde, trank wegen
des Regens mit uns Kaffee und entlüftete den Motor. Um 16.30
Uhr waren wir wieder startklar und trafen die anderen. Heinz hatte
inzwischen drei Aale gefangen. Wir fuhren in die Marina von Marseillan
und konnten endlich in einem netten Fischrestaurant die Beine ausstrecken
und gemütlich essen.
Montag,
14. 5.
Am Morgen hieß es um 8.30 "Leinen los", und bei
etwas dunstigem Wetter fuhren wir über den Etang du Thau nach
Sète. In der Karte waren zwei Brücken eingezeichnet,
die jedoch so niedrig waren, dass wir sicherheitshalber unsere Fahrräder
vom Dach nahmen, um ohne Risiko durchzufahren. Nach der Brücke
legten wir an und versorgten uns noch mit Proviant. Vor der Hubbrücke
von Frontignan mussten wir bis 15.00 Uhr (nächste Öffnungszeit)
warten, die Crew des zweiten Bootes verzehrte dabei die tags zuvor
gefangenen Aale.
In dieser Gegend konnten wir einige Silberreiher, Flamingos und
sonst noch unidentifizierbare Vögel beobachten. Auch ein paar
weiße Pferde, typisch für die Carmargue, grasten am Ufer.
Bei Les Aresquiers legten wir an, gingen die 300 m bis zum Mittelmeer
und erfrischten uns durch ein Bad. Vorbei an kleinen Fischerhütten,
Schleppnetzen, dem kleinen Triumphbogen vor der Abbaye Maguelonne
ging's weiter bis zum Ouvrages du Vidourle und nach Aigues-Mortes.
Dort trafen wir auf einem Boot Freunde von Heinz und Risa. Sie waren
von Beaucaire aus mit einem Boot gestartet und zwei Wochen unterwegs.
Gemeinsam besichtigten wir Aigues-Mortes, eine schöne Stadt,
die aus malerischen Häusern besteht und von einer noch intakten
Mauer umgeben ist.
Dienstag,
15. 5.
Weiterfahrt nach St. Gilles, wo der Hafen jedoch schon komplett
voll war. Zirka 2 km außerhalb legten wir am Ufer an und warfen
unser Angelzeug aus. Mit einer "Polnischen" als Köder
war Otto an diesem Tag der erste Glückliche, der einen kleinen
Wels fangen konnte. Zu klein zum Essen, warf er ihn nach einem Foto
wieder ins Wasser. Wolfi, der Unermüdliche, fischte bis spät
in die Nacht. Mit seinem Geschrei störte er Otto aus der wohlverdienten
Nachtruhe, als er um 22.30 Uhr einen drei Kilogramm schweren Karpfen
an der Angel hatte. Alles war in Aufregung.
Mittwoch, 16. 5.
Natürlich wurde Wolfis Fang mittags gebraten, nur Karo verweigerte
das Essen. Am Nachmittag passierten wir unsere letzte Schleuse bei
Nourriguier (automatisch). Wolfi und Helmut machten sich dann auf
den Weg, um per Zug unsere Autos von Narbonne zu holen.
Donnerstag,
17. 5.
In der Früh gaben wir unsere Boote zurück. Wir verabschiedeten
uns von Risa, Christl, Heinz und Helmut, die noch eine Woche Richtung
Atlantikküste und Loiretal unterwegs waren. Wieder war ein
schöner Hausboot-Urlaub zu Ende gegangen!
Otto
Karpisek

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